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Die vier Temperamente
Seit der Antike spricht man von den vier Temperamenten. Dem cholerischen ( reizbar und jähzornig), dem phlegmatischen (passiv und träge), dem sanguinischen ( lebensfroh und aktiv) sowie dem melancholischen ( traurig und nachdenklich). Ursprünglich sind die Temperamente nach den Eigenschaften von Körpersäften benannt. So ist zum Beispiel das Blut ( Sanguis) heiter und aktiv und der Schleim (Phlegma) passiv und schwerfällig. Seit je her geht man davon aus, dass sich eines dieser vier Temperamente in jedem Menschen besonders hervortut ( die Körpersäfte nun mal außer Acht gelassen ;-)). In der Waldorfpädagogik ist die Temperamentenlehre noch heute ein wichtigerBestandteil. Kinder werden in ihrem Wesen unterschieden und individuell betreut. Es sind zwar auch Mischformen möglich*, dennoch beschränkt man sich in erster Linie darauf, diese vier Grundtypen zu unterteilen. Alle Kinder lernen in der selben Klasse. Es gibt jedoch eine Sitzordnung, wonach Kinder mit dem selben Temperament zusammen gehören. Man ist überzeugt, dass ein Kind seine Verhaltensweisen nur dann begreifen und überdenken kann, wenn es ein "Gegenüber" hat, das ähnlich reagiert und handelt*. So hofft man, dass z.B phlegmatische Kinder, die im Klassenraum ganz vorne sitzen, sich eher für das Unterrichtsgeschehen interessieren, wenn sie sich gegenseitig stützen und so selbst aktiv werden. Die Kinder mit einem cholerischen Temperament sind hingegen hinten angesiedelt. Das ist keinesfalls als Strafe oder Ausgrenzung zu verstehen sondern viel mehr eine Rücksichtnahme auf die anderen Temperamente, welche nicht so gut auf sich aufmerksam machen können ( wie die phlegmatischen Kinder). Die sanguinischen und melancholischen Kinder sind ausgleichend rechts und links untergebracht. In dieser Sitzordnung soll ein Organismus in Gang gesetzt werden, der für Harmonie in der Klasse sorgt. Aufgrund der angewandeten Temperamentenlehre hat die Waldorfpädagogik keinen leichten Stand. Sie wird darin kritisiert, den Kindern ein falsches Selbstbild einzuprägen, das wohlmöglich ein Leben lang anhaftet. Diese Erkenntnis aus neurer Zeit, die zu einer Stigmatisierung führen kann, welche auch in der Jungendkriminalität bekannt ist, lässt die Temperamentenlehre sehr alt und überholt aussehen. Dennoch bleibt zu betonen, dass die Motive ein Kind nach seinen Eigenschaften zu fördern und zu unterrichten keinesfalls zu seinem Nachteil ausfallen muss. Es ist eher eine Möglichkeit ( für die Eltern wie auch für das Kind) einen Menschen so zu akzeptieren wie er ist. Es ist unmöglich ein Individuum zu ändern, aber man kann ihm Wege aufzeigen sich zu bessern. So gehört es zu den Hauptaufgaben eines Waldorflehrers dem Kind das Mitgebrachte spüren zu lassen und sein Selbstwertgefühl soweit zu stärken, dass es seinen Willen mobilisieren und somit auf seine Weise, die ihm gestellten Aufgaben bewerkstelligen kann. Besonders in der ersten Klasse wird der Unterricht so gestaltet, dass alle vier Temperamente ihre Stärken und Schwächen erproben dürfen. Was hat das nun mit den Puppen zu tun? Ich denke, dass gerade eine Puppe in bester Weise "ein Gegenüber" für das Kind darstellen kann. In der Phantasie des Kindes wird die Puppe lebendig, sie gebärdet sich so, wie das Kind sein Gegenüber gerade braucht. Die Puppe wird zu einem zweiten Ich, das sich in seinem Charakter formt, je mehr sich das Kind mit seiner Umwelt auseinander setzt. Gerade im zweiten Jahressiebt*, wenn sich die Temperamente festlegen, ist es von Bedeutung dem Kind jemanden an die Seite zu stellen, der vollauf versteht, genauso denkt, und genauso fühlt. Mit den passenden Farben lässt sich zudem jedes Temperament darstellen. So würde man eine melancholische Puppe in blau kleiden, die temperamentvolle cholerische Puppe, die das Element Feuer verkörpert, in roten oder orange Tönen, die sanguinische Puppe trägt Kleidung in grün und die phlegmatische Puppe kommt in blasseren Farben wie rosa am besten zur Geltung. In den vier Rubriken *Cholerisch*, *Phlegmatisch*, *Sanguinisch* und *Melancholisch* befinden sich die Puppen, die ich nach Farben sortiert habe. Das können alle möglichen Puppentypen, wie zum Beispiel Babypuppen, Puppenkinder, klitzekleine Puppen oder auch Nickipuppen sein. Hier zählt allein die Farbe. Wer also eine Vorliebe für blaue Kleidung hat, kann das melancholische Temperament genausogut außer acht lassen und sich lediglich deshalb dort umsehen, weil er eine Puppe mit blauer Kleidung sucht. Es folgen Erklärungen zu Hinweisen und Begriffen zum Text, die mit einem Sternchen* versehen sind: * Eigenschaften die zwischen den vier Temperamenten laut Hans Eyseneck zugeordnet sind: "instabil" ( zwischen melancholisch und cholerisch), "extrovertiert" ( zwischen cholerisch und sanguinisch) "stabil" ( zwischen sanguinisch und phlegmatisch) introvertiert (phlegmatisch und melancholisch) *Das Gesetz der Spiegelung besagt, dass alles was um uns herum geschieht als Spiegel zu verstehen ist. So können wir lernen uns selbst durch andere zu erkennen. Werden wir auf schlechte Eigenschaften in einem Menschen aufmerksam, können wir davon ausgehen, dass ähnliche Gefühle in uns selbst stecken. Sehen wir in einem Menschen zuerst die guten Seiten, tragen wir diese positiven Eigenschaften auch in uns oder können diese entwickeln. Das Gesetz der Spieglung ist ein Weg zur Bewusstwerdung. *Die Entwicklung vom neugeborenen Menschen bis hin ins Erwachsenenalter ist in drei Jahressiebte unterteilt, wobei jede Epoche sieben Jahre ( daher die Bezeichnung Jahressiebt) umfasst. |
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